Die Gegenbewegung formiert sich

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Karl-Heinz Büchner
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Registriert: 21.05.2019, 11:38

Die Gegenbewegung formiert sich

Beitrag von Karl-Heinz Büchner »

Fünf Wissenschaftler darunter ein emeritierter Mikrobiologe, der schon mehrfach durch ein einfach gestricktes Weltbild aufgefallen ist, ein in die Wirtschaft abgewanderter Immunologe, zwei Wirtschaftswissenschaftler und ein Psychologe von der Privatuni Witten-Herdecke machen mithilfe einer Petition Front gegen den vorsichtigen Kurs der Bundesregierung zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie. Die Petition ist hier nachzulesen.
Prinzipiell ist nichts gegen Petitionen einzuwenden, aber mit derart falschen und irreführenden Argumenten zu versuchen, die Disziplin der Bevölkerung zu untergraben ist in höchstem Maße fahrlässig. Da wird zum einen SARS CoV 19 mit dem Influenza-Virus in seinen Auswirkungen gleich- oder geringer gesetzt, zum anderen die angeblich ungeheuren Auswirkungen der psychischen Belastungen für die gesamte Bevölkerung als gegebene Tatsachen dargestellt.
Die Petition ist auf den 28.04.2020 datiert, trotzdem werden Fallzahlen aus dem März angeführt, die die Lage längst nicht mehr angemessen beschreiben und es wird ständig auf die Anfangssituation der Todesfälle in Deutschland verwiesen, obwohl am 28.04. längst feststand, dass diese Situation ein Sonderfall in unserem Land darstellt und auch nicht so bleiben wird. Welche Folgen die Geringschätzung der Gefahrensituation haben kann, wird uns am Beispiel USA und GB in diesen Tagen plastisch vor Augen geführt und die Geschichte ist in diesen Ländern noch lange nicht vorbei.
Auch das Palmer-Argument von denen, die den ganzen Aufwand nicht mehr wert sind, darf bei den Herren natürlich nicht fehlen. Möglicherweise hat es der Tübinger OB auch von dort bezogen.
Zum Schluss wird die Petition noch richtig unappetitlich, wenn die Herrschaften anfangen, den Wert menschlichen Lebens in Euro zu beziffern.
Ausführungen wie "Wenn wegen des überwiegend hohen Alters und der Vorerkrankungen jeder potentiell Gerettete noch durchschnittlich 1.000 Tage** Restlebenszeit hätte, würden selbst bei 200.000 vermiedenen Todesopfern nur 200 Mio. Lebenstage gerettet. Bei einem wirtschaftlichen Schaden von 1.000 Mrd. € wären das 5.000 € pro gerettetem Lebenstag, und das wahrscheinlich bei stark eingeschränkter Lebensqualität. Diese hohen Kosten sind durch nichts zu rechtfertigen. Die Maßnahmen, die einen wirtschaftlichen Schaden in solcher Größenordnung verursachen, sind deshalb unverhältnismäßig." erinnern einen an Zeiten, in denen der Materialwert von Konzentrationslagerhäftlingen auf Mark und Pfennig berechnet wurde und die wir längst überwunden glaubten. Der Folgesatz "Zudem ist zu berücksichtigen, wie viele Menschen durch die unnötige Absage lebenswichtiger Operationen bereits jetzt zusätzlich verstorben sind und wie viele aufgrund der absehbaren Kürzung der Gesundheitsausgaben nach einer tiefen Rezession zusätzlich versterben werden." ist nicht nur spekulativ, sondern auch noch vorsätzlich falsch. Bei den verschobenen Operationen handelte es sich um geplante Operationen, die durchaus verschoben werden konnten. Lebensnotwendige OPs waren immer durchführbar, die Situation in deutschen Kliniken war zeitweise zwar angespannt aber nie in dem Maße, dass auf diese Operationen verzichtet werden musste.

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